War Christus Datenschützer?
Unser Vorstandsmitglied Karl Schwabel ist auch Mitglied eines Pfarrgemeinderats in Wien und hat unlängst folgenden Artikel für die Pfarrzeitung seiner Gemeinde geschrieben.
Karl Schwabel ist Datenschutzbeauftragter. In dieser Rolle überwacht er die Einhaltung der DSGVO und unterstützt das Unternehmen bei der Erstellung des Verarbeitungsverzeichnisses. Darin werden sämtliche Prozesse dokumentiert, in denen personenbezogene Daten verarbeitet werden – insbesondere, wenn es sich um sensible Daten handelt. Das Verzeichnis erfasst unter anderem die Speicherorte der Daten, die eingebundenen Auftragsverarbeiter sowie die technisch-organisatorischen Maßnahmen, die den Schutz vor unbefugtem Zugriff und Datenverlust sicherstellen sollen. Was aber hat Datenschutz mit religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften zu tun?
Genesis Reloaded
Artikel aus der Pfarrzeitung der Pfarre Wien Heiligenstadt
Ist Datenschutz nur ein Thema der digitalen Welt oder kann es auch Christen betreffen? Gibt uns auch die Bibel Hinweise auf dieses Thema? Ich bin Datenschutzbeauftragter und bereite für meine Arbeitskolleg:innen im Unternehmen das Thema als „Geschichten von TOM&PIA“ auf.
Wer oder was sind TOM&PIA?

- TOM und PIA sind Grundbegriffe im Datenschutz
- TOM = Technical Organizational Measures = die technisch organisatorischen Maßnahmen, mit denen verhindert wird, dass personenbezogene Daten missbräuchlich verwendet werden (z. B. gestohlen werden)
- PIA = Privacy Impact Assessment = Bewertung des möglichen Schadens, der durch die missbräuchliche Verwendung von personenbezogenen Daten entstehen kann.
Und was soll das Spielzeug im Bild?
TOM ist der gute Ritter, der die böse Schlange PI daran hindert, unser ein und Alles, unsere Daten, symbolisiert durch einen Apfel, zu fressen.
Mit den Bildern „Schlange“ und „Apfel“ wird jetzt in manchen bereits das Bild aus der Genesis entstehen.
Gott, der Herr, formte den Menschen aus Staub von Erdboden.
Dann legte Gott, der Herr, in Eden im Osten einen Garten an.
Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum der Erkenntnis voll mit köstlichen Äpfeln.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zum Menschen: „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft keine Früchte des Gartens verkaufen?“
Der Mensch entgegnete der Schlange: „Die Früchte der Bäume im Garten dürfen wir essen, verschenken und sogar verkaufen; nur von den Früchten des Baumes der Erkenntnis hat Gott gesagt: Diese Äpfel dürft ihr nicht verkaufen und auch nicht verschenken, sonst werdet ihr eure Freiheit verlieren.“
Darauf sagte die Schlange: „Nein, du wirst deine Freiheit nicht verlieren, du bekommst Reichtum, Sicherheit und unendliche Weisheit. Sobald du mir einen Apfel schenkst, gehen dir die Augen auf; du wirst wie Gott und erkennst Gut und Böse.“
Da nahm der Mensch einen Apfel vom Baum der Erkenntnis und schenkte ihn der Schlange PI, die den Apfel sofort verspeiste. Und weil so viele Äpfel am Baum waren, verschenkte der Mensch noch einen und noch einen.
Dann gingen dem Menschen die Augen auf und er erkannte beschämt, dass er nackt war. Nichts bedeckte ihn. Nichts schützte ihn vor den Blicken der Schlange PI. Sie wusste alles über ihn, was er geschrieben hatte, wem er geschrieben hatte, was er dachte, fühlte und wollte. In Vergangenheit und in Zukunft. Mit seinen Daten war der Mensch gläsern und hilflos der Schlange PI ausgeliefert.
Der Mensch hatte Angst und begann zu rufen: „Guter Ritter TOM! Komm! Hilf mir! Schütze mich vor den Blicken der bösen Schlange PI! Sie hat meine Äpfel, mein Ein und Alles, meine Daten verspeist.“
Ob TOM, der gute Ritter, die Rufe gehört hat, ist nicht überliefert…

Wer bist du in der Geschichte?
Gehörst du auch zu jenen, die Facebook freimütig mitteilen, wo sie gerade sind, was auf dem Teller liegt, auf welches Konto sie überwiesen haben und wie sie ihr Geld veranlagen – nur um sich dann zu wundern, warum jemand ihre Daten missbraucht?
Die DSGVO stuft bestimmte Kategorien personenbezogener Daten als besonders schützenswert ein – darunter auch das Religionsbekenntnis. Für Christen und andersgläubige in Wien ist es selbstverständlich, unseren Glauben offen zu leben. In anderen Teilen der Welt kann genau das lebensgefährlich sein. Es genügt ein kurzer Blick in die Vergangenheit, etwa auf das Schicksal von Anne Frank, um zu erkennen, welche Folgen es haben kann, wenn solche Daten in die falschen Hände geraten. Doch auch heute werden Menschen in vielen Ländern wegen ihres Glaubens verfolgt. Dort, wo dies von staatlicher Seite geduldet oder sogar gefördert wird, fehlt es regelmäßig sowohl an demokratischen Grundrechten als auch an einem wirksamen Datenschutz.