Mastodon verstehen: Folgen, entfolgen und die technische Logik dahinter

Mastodon verstehen: Folgen, entfolgen und die technische Logik dahinter
Photo by Rolf van Root / Unsplash

Dieser Beitrag ordnet das Thema strukturiert ein und erklärt nicht nur das Wie, sondern auch das Warum hinter dem Folgen und Entfolgen auf Mastodon.

Alle Vereinsmitglieder haben die Möglichkeit, ein persönliches Konto auf unserer Mastodon-Instanz zu erstellen. Den Ablauf zur Registrierung haben wir hier übersichtlich beschrieben.

Nach der Kontoanlage ist die persönliche Timeline zunächst leer. Anders als bei klassischen Big-Tech-Plattformen erfolgt keine automatische Befüllung mit Inhalten. Nutzer:innen entscheiden bewusst, welchen Konten sie folgen möchten. Wie das funktioniert, haben wir hier beschrieben

Föderation statt Plattform: das Grundprinzip

Mastodon ist kein einzelner Dienst, sondern ein Netzwerk aus vielen unabhängigen Servern, sogenannten Instanzen. Diese kommunizieren über das offene Protokoll ActivityPub miteinander. Das hat mehrere Konsequenzen:

  • Es gibt keinen globalen, vollständigen Index aller Nutzerinnen und Nutzer so wie bei X oder Facebook.
  • Es gibt keine "Zwangsbeglückung" mit Content, Inhalte werden nicht „zentral ausgespielt“, sondern zwischen Instanzen synchronisiert.
  • Sichtbarkeit hängt von Föderationsbeziehungen, Caches und Datenschutzeinstellungen ab.

Folgen auf Mastodon bedeutet technisch: Deine Instanz abonniert die öffentlichen Aktivitäten eines fremden Accounts und speichert diese lokal, sobald neue Inhalte veröffentlicht werden.

Warum „Folgen“ auf Mastodon anders funktioniert

Wenn du einem Account folgst, passiert keine rückwirkende Vollindizierung. Das heißt konkret:

  • Frühere Beiträge sind nur sichtbar, wenn
    • sie öffentlich sind und
    • deine Instanz sie bereits kennt (z. B. durch Interaktionen anderer Nutzer).
  • Ab dem Zeitpunkt des Folgens werden neue Beiträge zuverlässig in deine Timeline übernommen.

Das erklärt, warum Profile manchmal „leer“ wirken, obwohl sie aktiv sind. Es handelt sich nicht um einen Fehler, sondern um ein bewusstes Design zugunsten von Datenschutz und Dezentralität.

Methoden, um anderen Benutzeraccounts zu folgen

Folgen über die Profilseite (empfohlen)

Der stabilste Weg ist der direkte Aufruf eines Profils:

  • über einen Profil-Link (Beispiel: @michaelmrak@privacyofficers.social)
  • oder über die Suche in der Web- oder Mobiloberfläche

Auf der Profilseite findest du den Folgen-Button (Plus-Symbol oder „Folgen“).

Bei privaten Accounts wird eine Follow-Anfrage gestellt, die aktiv bestätigt werden muss. Bis dahin bleibt der Status „ausstehend“.

Technischer Hintergrund:

Die Follow-Anfrage ist ein ActivityPub-Objekt, das vom Zielaccount explizit akzeptiert werden muss. Erst danach startet die Inhaltsübertragung.

Folgen über die Suche

Die Suche funktioniert instanzübergreifend, ist aber nicht vollständig deterministisch:

  • Treffer hängen davon ab, ob deine Instanz den Zielaccount bereits kennt
  • neue Accounts müssen oft erst „importiert“ werden

Best Practice:

👉 Wenn möglich, immer das vollständige Handle verwenden (Beispiel: @michaelmrak@privacyofficers.social).

Falls der Folgen-Button nicht erscheint:

  • Seite neu laden
  • App neu starten
  • ggf. Profil direkt über URL öffnen

Neue Accounts über „Entdecken“ finden

Der Bereich Entdecken aggregiert:

  • lokal beliebte Accounts
  • föderierte Trendprofile
  • thematisch relevante Vorschläge

Die Empfehlungen basieren nicht auf algorithmischem Profiling, sondern auf aggregierten Interaktionen innerhalb deiner Instanz und ihrer Föderationspartner.

Das wirkt manchmal zufällig, ist aber bewusst transparent und nicht personalisiert im klassischen Sinn.

#Hashtags folgen: Inhalte statt Personen

#Hashtags spielen auf Mastodon eine zentrale Rolle:

  • sie sind föderationsweit sichtbar
  • sie dienen als primäres Discovery-Instrument

Beim Folgen eines #Hashtags abonnierst du alle öffentlichen Beiträge, die diesen Tag verwenden, unabhängig vom Account.

Wichtig zu wissen:

  • Hashtag-Follows sind deutlich „lauter“ als Account-Follows
  • sie eignen sich ideal zur Themenbeobachtung, weniger für kuratierte Feeds

Empfehlung: gezielt einsetzen und regelmäßig überprüfen.

Entfolgen: sauber und nachvollziehbar

Entfolgen über das Profil

Der sicherste Weg:

  • Profil öffnen
  • „Nicht mehr folgen“ auswählen
  • optional bestätigen (abhängig von Datenschutzeinstellungen)

Ab diesem Zeitpunkt:

  • keine neuen Beiträge mehr in deiner Timeline
  • keine weiteren Benachrichtigungen

Über die eigene Folgen-Liste

Für strukturierte Aufräumarbeiten:

  • eigenes Profil → „Folgt“
  • Liste durchgehen
  • Follow-Status einzeln beenden

Gerade bei längerer Nutzung ist das der effizienteste Weg zur Feed-Hygiene.

Benachrichtigungen strategisch steuern

Unter Einstellungen → Benachrichtigungen lässt sich sehr granular festlegen:

  • neue Follower
  • Erwähnungen
  • Boosts und Favoriten
  • Follow-Anfragen

Empfehlung aus der Praxis:

Reduziere Benachrichtigungen konsequent auf interaktionsrelevante Ereignisse, um Signal vor Noise zu halten.

Fazit: Es ist komplexer aber langfristig robuster

Mastodon ist kein Ersatz für X (früher Twitter) oder Facebook, sondern ein strukturell anderes System. Die Einstiegshürde ist real, aber dafür erhält man:

  • Dezentralität
  • Datenschutz
  • Unabhängigkeit von Plattformlogiken

Wer das Folgen- und Discovery-Modell einmal verstanden hat, gewinnt ein hohes Maß an Kontrolle über den eigenen Informationsraum. Aus strategischer Sicht ist das kein Nachteil, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber zentralisierten Netzwerken.

Nicht alles auf Mastodon ist intuitiv, aber fast alles ist gut erklärbar. Und genau das macht Mastodon langfristig tragfähig.